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Tanzwut – Live DVD + Do-CD
Mütter, holt eure Töchter von der Strasse, denn Tanzwut sind wieder da! Rechtzeitig zum langsam anrollenden weihnachtlichen Konsumterror kommen unsere Berliner Mittelalterrocker Nummer 1 mit einer Produktion um die Ecke gesprungen, die an Dekadenz kaum zu toppen ist. Ab heute findet der von Entzugserscheinungen geplagte Fan die vorliegende fette Live-DVD zusammen mit dem passenden Doppel-Live-Album in den Regalen des Plattendealers seines Vertrauens. Obwohl oder gerade weil Tanzwut seit geraumer Zeit auf ihrem eigenen Label veröffentlichen, wird auf der DVD nicht gekleckert, sondern geklotzt was das Konto hergibt. Das macht sich schon gleich Eingangs bei der extrem übersichtlichen, gut lesbaren und aufwändig designten Menüführung bemerkbar. Denn seien wir mal ehrlich: Gerade bei Musik-DVDs wird genau hier meistens rumgeknausert und kaum hat man es sich auf der Couch gemütlich gemacht, muss man schon wieder mit einer Lupe im Anschlag zum Fernseher hetzen, um wenigstens zu erahnen wo man sich denn gerade im Menü befinden könnte. So steht einem tanzwütigen DVD-Abend nichts mehr im Weg und statt einer Lupe kann man getrost eine Schüssel Popcorn, eine Flasche Martini *prost* und ein vorbereitetes Entschuldigungsschreiben wegen unangemessener Lautstärke für die lieben Nachbarn bereit halten. Der Löwenanteil der DVD besteht aus satten 120 Minuten Konzertmitschnitt aus der Münchner Muffathalle im Mai 2004. Unsere Tanzwürste haben nicht etwa nur Ausschnitte aus diesem Konzert auf die DVD geklöppelt, sondern gleich die komplette Show mitgeschnitten, was die lange Laufzeit und die ellenlange Tracklist mit 26 Stücken erklärt. Dieser Umstand ist als Glücksgriff zu bezeichnen, denn anders wäre es sicher ein Ding der Unmöglichkeit gewesen die energetische Atmosphäre auf der Bühne und in der Halle ins Wohnzimmer zu transportieren. 'Let us entertain you' steht in fetten Lettern auf einem imaginären Transparent im Raum und who the fuck is Robbie Williams? ;o) [Anm. d. Verf.]. Zugegebenermaßen haben die Jungs für die Aufzeichnung beim Bühnenaufbau ordentlich rumgeprotzt, was der visuellen Komponente natürlich extrem in die Hände spielt. Auf dem Bildschirm kommt extra Licht halt immer besonders gut, um die '10 nackte Neger boxen im Tunnel'-Nummer zu verhindern. Neben dem fulminanten Lichtgewitter und anderen visuellen BonBons begeistern Tanzwut wie immer äusserst routiniert mit ihren abgefahrenen Kostümen, einer durchdachten Choreographie und Frontmann Teufel, der zum einen ein verdammt guter Live-Shouter und zum anderen die Rampensau schlechthin ist. Die Bühnenaction wird von durchdrehenden Fanmassen honoriert, die den Hallenboden beben und die Luft kochen lassen. Auch wenn das jetzt irgendwie peinlich ist, aber ich habe mich glatt an einigen Stellen dabei ertappt, wie ich laut mitgesungen habe – und das zu Hause! Sorry, aber so was hatte ich bei einer Konzert-DVD noch nie und ich schicke an dieser Stelle mal ein Respektpäckchen Richtung PrenzlBerg. Wenn man nach dem 2-stündigen Konzertmassaker noch aufnahmefähig ist, kann man sich gleich dem prallgefüllten Extrateil mit lockeren 80 Minuten Länge widmen. Von Information bis Schenkelklopfer ist hier alles vertreten und die Fans wird sicherlich besonders freuen, dass endlich mal alle existierenden Videoclips auf einen Haufen versammelt sind. Auch der kurze Einblick in den Instrumentenbau ist gelungen, da hier ohne langweilige Fachsimpelei ein Eindruck der Arbeit in der Werkstatt vermittelt wird. Wer es noch nicht wusste: Tanzwut bauen sich alle Instrumente selbst, was sich natürlich in dem einzigartigen Sound niederschlägt. Das komplette Bonusmaterials wurde liebevoll ausgewählt und produziert, was sicher auch an der Beteiligung der Fans liegt, denn diese hatten ein gewichtiges Wörtchen beim Inhalt mitzureden. Die DVD und das Live-Album sind von der ersten bis zur letzten Minute gelungen und transportieren auf einmalige Weise die unschlagbaren Livequalitäten der Band in die eigenen 4 Wände. Das kommt der Kundschaft von meiner Sorte gerade recht, denn ich fand die Rabauken live schon immer viel besser, als aus der Konserve. Auf alle Fälle versprüht das Material ohne Ende gute Laune und zieht den ersten rumschleichenden Herbstdepressionen den Knüppel über die Moppe. Sag nein zu Prozac – nimm Tanzwut! [pm]